Ausrüstung

Rettungsboot Quad  Einsatzkleidung Sanitätsmaterial Funk Alarmierung

Motorrettungsboot

Wasserwacht Utting 99/1

Das Rettungsboot ist das Einsatzmittel der Wahl, sobald etwas auf dem See passiert ist – ganz egal, ob ein Segelboot gekentert ist, oder ob ein Schwimmer auf dem See in Not geraten ist.

Technische Daten

Bootskörper:
Hersteller: Hartmann GmbH & Ko KG
Baujahr: 2009
Länge: 7,20 m
Breite: 2,50 m
Gewicht: max 3,2 t
Zuladung/Tragfähigkeit: 1000 kg = 10 Personen
Höchstgeschwindigkeit: ca. 60 km/h

Motor:
Typ: Volvo Penta 4,3 GX IE-M
Arbeitsverfahren: 4-Takt
Leistung: 206 kW  (= 280,082 PS)
Antriebsart: Innenborder mit Z-Antrieb
Baujahr: 2010

Heckansicht des Rettungsbootes der Wasserwacht Utting am Ammersee

Kommunikationstechnik

  • Digitales Handfunkgerät (HRT)
  • Eingebautes Digitalfunkgerät (MRT)
  • Eingebautes 2m Analogfunkgerät
  • Mobiltelefon
  • Bordcomputer mit GPS-Navigationsfunktion und Echolot

Pumpe

Typ: Honda WB 30
Leistung: 1100 l/min bei 2,3 Bar
Antrieb: 3,6 kW, 4-Takt Benzinmotor

Besatzung*

1x Bootsführer, 2x Wasserretter, 1x Bootsmann
Davon sollte nach Möglichkeit mindestens ein Besatzungsmitglied die Qualifikation „Rettungssanitäter“ aufweisen. (Im Jahr 2016 bei 88,24 % der Einsätze erreicht)

Ausrüstung für die Wasserrettung

  • Wasserdichter Notfallkoffer mit Sauerstoff
  • Spineboard (Rettungsbrett)
  • Gurtretter
  • Rettungsring
 
*Hiervon kann bei Bedarf abgewichen werden, mindestens aber 1x Bootsführer und 1x Rettungsschwimmer im Wasserrettungsdienst.

ATV (Quad)

Wasserwacht Utting 95/1

Die Wasserwacht Utting kann seit dem Sommer 2019 auf ein All Terrain Vehicle (ATV) zurückgreifen. Hier handelt es sich um ein modifiziertes Gebrauchtfahrzeug, welches über Spenden und Mitgliedsbeiträge der Wasserwacht-Ortsgruppe Utting finanziert wurde.

Ein Spaß-Gerät?

Zwar vermittelt das Quad auf den ersten Blick einen großen Spaß-Faktor, der Einsatzzweck ist jedoch ein sehr ernster: Bei akuten medizinischen Notfällen zählt oft jede Minute. So verstreichen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand beispielsweise alle 60 Sekunden zehn Prozent Überlebenschance, wenn keine Reanimation eingeleitet wird. Dies kann besonders an heißen Sommertagen zum Problem werden. Durch Feriengäste und Ausflügler, die sich neben den Anwohnern in der Region tummeln, stößt der Rettungsdienst in der Region immer wieder an seine Kapazitätsgrenzen.

Die Folge sind weite Anfahrten und entsprechend eine längere Zeit, bis die Hilfe kommt. Genau hier greift die Rettungsleitstelle immer wieder auf die Wasserwacht zurück. Durch die notfallmedizinische Ausbildung, die alle Helfer durchlaufen, ist sie ideal geeignet um schwer erkrankten oder verletzten Personen zu helfen und die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungsdienst kommt.

Der Weg zum Einsatzort

Bisher fuhren die Wasserwachtler in solchen Fällen mit privaten PKWs, Fahrrädern oder eilten zu Fuß zum Einsatzort. Häufig kostete das viel Zeit in den verstopften Straßen am See. Das wendige Quad ist durch Blaulicht und Martinhorn gut erkennbar und kommt so selbst an den heißesten Tagen zügig zum Patienten, sodass dort schnellstmöglich lebensrettende Maßnahmen ergriffen werden können.

Einsatz Quad der Wasserwacht Utting

Technische Daten

Funkrufname: Wasserwacht Utting 95/1
Marke: GOES
Typ: CF625-2A
Hubraum: 594 ccm
Leistung: 15 kW (20 PS)
Länge: 2,3 m
Breite: 1,2 m
Erstzulassung: 2014
Umbau zu Einsatzfahrzeug: 2019
Indienststellung: 2019
Sondersignalanlage: Hänsch Typ 520 / Movia SL LED
Frontblitzer: LED Martin NP6
Rückwarnsystem: LED Martin

Ausrüstung

  • Notfallrucksack mit Sauerstoff
  • Automatisierter Externer Defibrillator (Lifepack LP1000)
  • Rescue-Tube (Gurtretter)
  • Handfunkgerät (HRT)
  • Smartphone als Navigationsgerät (iPhone 6s Plus)
  • Warnwesten

Einsatzkeidung

Ausrüstung der Wasserretter

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) unserer Wasserretter besteht aus:

  • Neoprenanzug
  • Neopren Füßlinge
  • Neopren Hanschuhe
  • Auftriebsweste (Palm Rescue 850) mit elastischem Cowtail
  • Helm (Typ Manta)
  • Tauchermesser
  • Wurfsack mit 20m schwimmfähiger Leine
  • Knicklicht

Helm

Der Helm vom Typ Manta dient uns nicht nur als Kopfschutz. Ebenso hat er eine integrierte Schutzbrille, die den Wasserretter im Einsatz vor Gischt und Regentropfen schützt. Beides kann bei hohen Geschwindigkeiten auf dem Motorrettungsboot und niedrigen Temperaturen sehr unangenehm im Gesicht sein. Zusätzlich kann der Helm mit einer Stirnlampe versehen werden.

Neoprenanzug

Der Neoprenanzug in Kombination mit den Füßlingen und Handschuhen schützt die Körper unserer Einsatzkräfte überwiegend vor dem Auskühlen im Wasser. Zusätzlich dient er aber noch als extra Schutzschicht. Wie eine dicke Elefantenhaut, schützt das Neopren-Material vor scharfen Kanten und spitzen Gegenständen, die der Wasserretter möglicherweise nicht sofort im Wasser erkennt.

Auftriebsweste

Die Auftriebsweste vom Typ Palm Rescue 850 verschafft den Wasserrettern freie Hände zum Retten und Arbeiten im Wasser. Wie eine Schutzweste der Polizei, liegt sie dicht am Körper an und verschafft der Einsatzkraft den nötigen Auftieb, um mühelos über Wasser zu bleiben. Zusätzlich ist sie mit einem Messer ausgestattet. Damit kann sich der Rettungsschwimmer frei schneiden, falls er sich in einer Leine verfängt. Mit einem in der Weste mitgeführten großen Knicklicht werden die Retter im See bei Nacht gekennzeichnet. Für die Verbindung mit einer Sicherungsleine ist die Auftriebsweste mit einem so genannten Cowtail mit Karabiener ausgestattet.

Wasserretter Utting mit Palm Rescue 850 Weste

Optionale Zusatzausrüstung

Falls die Einsatzlage es erfordert, rüsten sich die Wasserretter zusätzlich mit ABC-Ausrüstung aus. Sie setzt sich zusammen aus:

  • Taucherbrille
  • Flossen
  • Bleigurt

Dies eignet sich zum Beispiel, um eine Flachwasser-Suche nach einer ertrunkenen Person durchzuführen. Im Gegensatz zum Einsatz von Tauchern, die in der Regel längere Rüst- und Anfahrtszeiten haben, können die Wasserretter mit ABC-Ausrüstung unmittelbar nach einem beobachteten Untergang eingesetzt werden. Daraus ergibt sich ein enormer Zeitvorteil und der Ertrunkene kann möglicherweise deutlich schneller gefunden werden.

Einsatzkleidung allgemein

Da die Aufgaben der Wasserwacht sehr vielseitig sind, benötigen unsere Mitglieder nicht nur für den unmittelbaren Wasserrettungseinsatz im See entsprechende Persönliche Schutzausrüstung.
Natürlich kann die Kleidung fast beliebig kombiniert werden (z.B. die Wachdiensthose und eine Wetterjacke). So erreichen wir eine große Flexibilität und können bei nahezu jeder Wetterlage die dafür angepasste Einsatzkleidung tragen.

Wachdienstkleidung

  • Einsatzhose (kurz & lang)
  • Badekleidung
  • Poloshirt / T-Shirt
  • Sweatshirt / Softshelljacke
  • Rutschfestes Schuhwerk

Bootsdienstkleidung

  • Schwere Wetterschutzhose
  • Leichte Wetterschutzjacke
  • Schwere Wetterschutzjacke
  • Automatische Rettungsweste
  • Rutschfestes Schuhwerk

Kennzeichnungswesten

Um im Einsatz eine bessere Übersicht zu gewährleisten, nutzt auch der Wasserrettungsdienst verschiedenfarbige Westen, um bestimmte Einsatzrelevante Funktionen zu kennzeichnen.

In der Wasserrettung kommen folgende Westenfarben zum Einsatz:

Blau: Wachleiter / SEG-Führer
Weiß-Blau: Taucheinsatzführer
Weiß: Abschnittsleiter
Gelb: Einsatzleiter Wasserrettung*
Grün: Fachberater

*Kommt die Sanitäts-Einsatzleitung zum Einsatz hinzu, wechselt der Einsatzleiter auf eine weiße Weste. Er wird also zum „Abschnittsleiter Wasserrettung“.

Sanitätsmaterial

Notfallrucksack

Die Hauptaufgabe der Wasserwacht besteht in der Durchführung des Rettungsdienstes auf dem Wasser. Hierfür, aber auch um den Landrettungsdienst in Gewässernähe zu unterstützen, ist jede Wasserrettungsstation der Wasserwacht Utting mit einem Notfallrucksack ausgestattet.

Mit diesem Notfallrucksack können wir schnell und adäquat die Erstversorgung von Notfallpatienten durchführen, um den therapiefreien Intervall bis zum Eintreffen des Notarztes oder Rettungswagens zu minimieren.

Ausstattung:

  • Stiffneck
  • Sauerstoff
  • Infusion
  • Beatmungshilfe
  • Pulsoxymeter
  • Absaugung
  • diverses Verband- und Schienenmaterial
  • Protokolle

Spineboard

Das Spineboard ist ein Rettungsgerät, mit dem Patienten liegend aus dem Wasser gerettet werden können. Es ähnelt der Schaufeltrage und soll auch den selben Effekt erzielen. Der Patient soll so schonend wie möglich gerettet werden. Dafür wird er auf das Spineboard gelegt und samt dem Board ins Boot gerettet. Hier kann der Patient weiterversorgt werden und danach schonend an Land gebracht werden.

Ebenso eignet sich dieses Rettungsgerät für die Rettung aus schwierigem Terrain und die Imobilisation von Verletzten. Beitrag: Rettung eines Patienten mit Wirbelsäulenverletzung aus dem Wasser

Bilder: Rettung eines Patienten auf das Rettungsboot

Bilder: Rettung eines Patienten mit Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung aus dem Wasser

Kommunikation

Funk

Zur Kommunikation stehen den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (kurz BOS) eigene Funksysteme zur Verfügung. Bekannte Vertreter der BOS sind z.B.  Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und damit natürlich auch die Wasserwacht.

BOS-Analogfunk

Über viele Jahre diente uns das Analoges Funksystem (4m-Funk) der Kommunikation mit der Leitstelle. Die Wasserwacht befand sich aus Kapazitätsgründen auf dem selben Kanal wie der gesamte Rettungsdienst der Landkreise Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg und Starnberg. Daher konnten bei großen Einsätzen die Gesprächskapazitäten sehr eng werden. Abhören des BOS-Funks ist verboten, im Analogfunk allerdings schon mit frei verkäuflichen Funkempfängern möglich.

Für den Einsatzstellenfunk existiert ein weiteres Funksystem (2m-Funk), eine Kommunikation mit der Leitstelle war den
Einsatzkräften nicht möglich. Im 2m-Funk ist die Reichweite des Gespräches von der Leistung des Gerätes abhängig. Ein Gespräch zwischen Wasserrettungsstation und Boot war nicht im gesamten Einsatzgebiet möglich.

Digitalfunk

Um die BOS mit einem zeitgemäßen Funksystem auszustatten, wurde in Deutschland ein gemeinsames Digitalfunknetz nach europäischem TETRA-Standard aufgebaut. Derzeit dient das Analogfunksystem noch als Rückfallebene, in den kommenden Jahren wird der Digitalfunk den Analogfunk vollständig ablösen.

Am 16.11.2015 wurde in unsere Ortsgruppe auf Digitalfunk umgestellt. Durch diese Umstellung ergeben sich etliche Vorteile für unsere Einsatzkräfte, einige wollen wir hier nennen:

  • Die Wasserwacht hat nun eine eigene Sprechgruppe für den Landkreis. Dadurch ist es deutlich einfacher geworden die für uns wichtigen Funksprüche zu erfassen.
  • Die Kommunikation findet vorrangig im „Netzmodus“ statt, hier ist die Kommunikation sowohl unter den Helfern als auch mit der Leitstelle möglich. Die Reichweite des Gespräches ist, ähnlich wie im Handynetz, nicht auf die Entfernung der Teilnehmer beschränkt.
  • Mit Funkempfängern kann zwar weiterhin das Funksignal abgehört werden, aus dem Lautsprecher tönt aber nur noch ein gleichmäßiges rattern. Zum Abhören muss das Signal komplex per Software aufbereitet werden, ein unberechtigtes Abhören ist nahezu ausgeschlossen.
  • Sensiblen Daten, wie genaue Einsatzörtlichkeiten, sind somit Zeitgemäß geschützt.
  • Einsatzkräfte bekommen von der Leitstelle Kurznachrichten (ähnlich SMS) mit einsatzrelevanten Daten.
  • In jeder Basisstation können je nach Ausbaustufe zwischen 7 – 30 Gespräche gleichzeitig stattfinden. Dadurch gewinnen wir viel Kapazität.
  • Für Großeinsätze sind Ausweichgruppen vorgesehen, um den Sprechfunk zu entlasten

Alarmierung

Da unsere Patienten nicht mit uns absprechen, wann Sie unsere Hilfe benötigen, gibt es Personen die 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr für diese Patienten zur Stelle sind. 

Hierzu sind einige Mitglieder der Ortsgruppe mit einem Funkmeldeempfänger (FME) ausgestattet. In einem Notfall werden die Mitglieder von der Integrierten Leitstelle Fürstenfeldbruck alarmiert. 


Sie bekommen mit der Alarmierung eine kurze Information, was sie nun erwartet. Des Weiteren erhalten unsere Einsatzkräfte eine SMS auf ihr Handy, um auch die Mitglieder ohne eigenen FME zu erreichen.
Nun heißt es, so schnell wie möglich an die Wasserwachthütte im Strandbad zu gelangen, um eine qualifizierte Hilfe auf dem Ammersee zu gewährleisten.